Thema:

Familienpolitik

Als berufstätige Mutter erlebe ich tagtäglich, wie schwer es ist, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, ohne dass jemand auf der Strecke bleibt. Eigentlich ist dieser Spagat für sehr viele Menschen unter den aktuellen Rahmenbedingungen nahezu unmöglich.

Ich persönlich habe deshalb meine Vollzeitstelle als Personalleiterin aufgegeben. Obwohl ich in der glücklichen Lage bin, auf eine große familiäre Unterstützung zurückgreifen zu können, habe ich meine Arbeitszeit reduziert, um wieder mehr Zeit für die Familie zu haben.

Aber nicht jeder kann oder will das. Viele Menschen müssen aus finanziellen Gründen einer beruflichen Tätigkeit nachgehen und haben gar nicht die Wahl, zu Hause zu bleiben. Andere möchten nach langer Ausbildung und beruflichem Engagement nicht einen Karriereknick riskieren und wollen deshalb berufstätig bleiben. Für alle muss es die entsprechenden Rahmenbedingungen geben, damit sie ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten gestalten können.

Deshalb brauchen wir

  • umfassendere und flexiblere Kinderbetreuungsmöglichkeiten für Kinder aller Altersklassen, z.B. durch mehr betriebliche Kinderbetreuungseinrichtungen, Kitas mit längeren bzw. flexibleren Öffnungszeiten, Notfallbetreuungsmöglichkeiten in Reichweite sowie umfassendere Ferienbetreuung für Schulkinder
  • familienfreundlichere Arbeitsbedingungen, d.h. mehr Teilzeitstellen auch für Fach- und Führungskräfte, flexiblere Arbeitszeitmodelle, Telearbeit / Homeoffice sowie Leistungs- statt Präsenzkultur
  • letztendlich ein Umdenken in der Gesellschaft, dass nicht nur Mütter für Kinder & Haushalt zuständig sind, sondern auch Väter; dass Teilzeitkräfte genauso leistungsfähig und kompetent sind wie Vollzeitkräfte und dass Kinder unsere Zukunft sind und wir deshalb alles dafür tun müssen, dass es möglichst viele davon gibt

Wenn Frauen Familie & Beruf besser vereinbaren können, hat das auch für die Wirtschaft einige positive Effekte. So stehen dem Arbeitsmarkt dadurch mehr Fachkräfte zur Verfügung. Der Staat nimmt wiederum mehr Steuern ein und kann damit wieder mehr investieren. Familien wären finanziell besser abgesichert, könnten ihren Kindern mehr bieten und zu guter Letzt sinkt die Gefahr der Altersarmut - vor allem für Frauen, da sie sich höhere Rentenansprüche erwerben oder sogar erst dadurch private Vorsorge betreiben können.