Hahn: „Physiotherapeuten den Rücken stärken!“

02.02.2016

Pressemitteilung

FDP Wetterau besucht Praxis für Physiotherapie in Altenstadt

Gemeinsam mit dem Wetterauer Ehrenamtlichen Kreisbeigeordneten, Wolfgang Patzak, und der Ortsvorsitzenden der FDP Altenstadt, Natascha Baumann, hat der heimische FDP Landtagsabgeordnete Dr. h.c. Jörg-Uwe Hahn die Praxis für Physiotherapie in Altenstadt besucht. Michaela Exner und Yvonne Massuger berichteten der FDP-Delegation in ihrer Praxis von den aktuellen Herausforderungen an ihren Berufsstand und den möglichen Lösungsansätzen. Schwerpunkt des Austauschs war die vom Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V. angestrebte Vergütungserhöhung von Heilmitteln für Kassenpatienten.

„Die physiotherapeutischen Praxen haben momentan schwer zu kämpfen“, fasst Hahn seine Eindrücke zusammen. „Das Hauptproblem: Für die Behandlung von gesetzlichen Kassenpatienten gelten feste Vergütungssätze, die mittlerweile weit unter einem betriebswirtschaftlich lohnenden Niveau liegen. Immer mehr Physiotherapeuten behandeln daher in reinen Privatpraxen – mit der Betreuung von Kassenpatienten kommen sie schlicht und ergreifend nicht über die Runden. Am Ende stehen damit auch diejenigen als Verlierer da, denen das System der niedrigen Vergütungssätze eigentlich helfen sollen. Das benenne ich in aller Deutlichkeit als sozial verantwortungslos. Hinzu kommt, dass sich wegen der hohen Ausbildungskosten und der unsicheren Einkommensaussichten immer weniger Jugendliche für einen beruflichen Werdegang in der Physiotherapie entscheiden. Wenn es also zukünftig zu einer Knappheit an Praxen kommt, möglicherweise auch befeuert durch das sogenannte Versorgungsstärkungsgesetz der Bundesregierung, wird sich die Situation weiter verschärfen. Und schon jetzt warten Kassenpatienten bis zu mehrere Monate lang auf einen Termin, wie Frau Massuger und Frau Exner alarmierend berichten.“

Der ehemalige Vize-Ministerpräsident Hessens kündigte an, nicht tatenlos zuzusehen: „Wir Freie Demokraten müssen den Physiotherapeuten den Rücken stärken! Zunächst sollte zahlenmäßige Klarheit über die momentane Versorgungslage und den zu erwartenden Trend der kommenden Jahre bestehen. Ich werde daher in der FDP-Landtagsfraktion anregen, eine Anfrage zu physiotherapeutischen Auszubildenden- und Studierendenenzahlen in Hessen vorzubereiten. Auf Grundlage dessen lassen sich Handlungsanweisungen erarbeiten“, so Hahn weiter.

Exner schilderte ihre Erfahrungen aus 22 Jahren Physiotherapie in Altenstadt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe man zwei Mal expandiert, um als einzige Praxis der Stadt die Patienten aus rund 12.000 Einwohnern zu versorgen. Mittlerweile sei der Kollegenstamm, der zu Spitzenzeiten sieben Physiotherapeuten umfasst habe, auf lediglich drei Mitarbeiter geschrumpft. „Bei 80 Anrufern muss ich zwischen 30 und 40 Termine ausschlagen. Paradoxerweise haben wir die finanziellen Schwierigkeiten also trotz einer hohen Nachfrage. Das große Problem ist die Bezahlung“, erklärte Exner. Massuger, selbst 1. Vorsitzende des Verbands für Physiotherapie in Hessen, führte aus: „Wir können uns nicht über die Arbeitszeiten steigern, sondern nur über höhere Vergütungen. Das gesamte Gesundheitssystem benötigt mehr Autonomie. Während ein Arzt in der derzeitigen Lage nach der Diagnose konkrete Behandlungsanweisungen an die Physiotherapeuten gibt, fordern wir eine Sitzungspauschale statt Preise für Einzelleistungen. Das ausgestellte Sitzungskontingent können Patient und Therapeut dann zielführend und unter Berücksichtigung der Krankheitsentwicklung ausgestalten.“ Zahlen aus Holland würden die Effektivität von mehr Freiheit in der Behandlung bestätigen, so die gebürtige Niederländerin Massuger, weil Angestellte mit mehr Autonomie länger im Beruf blieben.

Baumann betonte als Ortsvorsitzende der FDP Altenstadt, dass man die Sorgen der Physiotherapeuten ernst nehmen müsse: „Die Praxis von Frau Exner ist die einzige der Stadt. Nicht nur für mich als Nutzerin des Angebots, sondern für alle Altenstädter Bürger wäre ein Wegfall des Behandlungszentrums fatal. Weitere Anfahrtswege zur nächsten Praxis würden die Behandlungskosten insgesamt weiter erhöhen, ganz zu schweigen von den rein lokalen Preisunterschieden, die beispielsweise zwischen Frankfurt und Altenstadt herrschen. Die Praxis für Physiotherapie von Frau Exner ist ein wichtiger Teil unserer Stadt und muss das auch bleiben.“

Neben der Klage über die defizitäre Vergütungssituation äußerten die Physiotherapeutinnen im Gespräch mit den Freidemokraten auch Zweifel darüber, wie die Behandlung von Flüchtlingen aufgrund der natürlichen Sprachbarriere ablaufen solle. Man habe von offizieller Stelle bisher noch nichts dazu gehört, obwohl ein erhöhtes Behandlungsaufkommen gerade von Menschen aus Krisenregionen abzusehen sei.